Ursprünglich kam der MorgenLand-Gründer Orhan Yilmaz nach Deutschland, um Chemie zu studieren. Sein Interesse für alternative Medizin führte ihn in Kreise, in denen auch das Thema „gesunde Ernährung“ im Fokus stand. Dadurch wurde ihm seine tatsächliche Berufung bewusst. Zusammen mit Freunden gründete er den ersten Bioladen in Bremen – die Sonnenblume. Über die Jahre wuchs das Blümchen stetig und breitete sich kräftig aus. Wie aus der Bremer Sonnenblume das MorgenLand wurde, das den Bio-Fachhandel heute mit über 120 verschiedenen Produkten beliefert, erzählt uns Herr Yilmaz im Gespräch.



Vom Chemiestudenten zum Unternehmer – einen solchen Werdegang findet man in der Bio-Branche nicht allzu häufig. Wie kam es dazu, Herr Yilmaz?

Als Chemie-Student habe ich mich natürlich mit der Wirkung von Chemikalien auseinander gesetzt.  Je mehr ich darüber wusste, desto weniger angetan war ich von dem Gedanken, dass Chemikalien wie Pestizide, Fungizide und andere Verbindungen in unserem Essen stecken und dadurch unsere Gesundheit schädigen. Die ökologische Landwirtschaft ist hier der Weg, den wir gehen müssen – weg von den Ackergiften. Diesen Weg verfolgen wir bis heute weiter. Deshalb ist MorgenLand auch Gründungsmitglied des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft mit dem derzeitigen Aktionsthema „ACKERGIFTE, NEIN DANKE!“

Sie hatten den Bioladen „Sonnenblume“ gegründet, Herr Yilmaz – den ersten Bioladen in Bremen. Wie wuchs daraus das MorgenLand?Nachdem wir die „Sonnenblume“ gegründet hatten, kam unweigerlich die Frage auf: Woher beziehen wir echte Bio-Lebensmittel?
Das war gar nicht so einfach. Meine Familie in der Türkei betrieb Landwirtschaft und so mobilisierte ich meinen Vater, Bio-Erzeugnisse anzubauen. Damit waren wir der erste Betrieb in der Türkei, der die Bio-Zertifizierung hatte. Die Produkte wurden immer mehr, so dass ich mich schon bald nur noch auf Anbau und Import konzentrierte. Aus dem Bioladen bin ich dann ausgestiegen und habe die ersten Produkte unter der eigenen Marke „MorgenLand“ an den Fachhandel verkauft.

Ihr Leitgedanke lautet: „Vom Anbau bis zum Regal – alles aus einer Hand“. Wie sieht das in der Praxis aus?Wir starteten als reines Familienunternehmen, zu dem im Laufe der Zeit mehr und mehr Leute dazu kamen, die unsere Werte teilen. Allein am Standort im niedersächsischen Oyten beschäftigen wir heute fast 100 Menschen. Hinzu kommen die Mitarbeiter aus den verschiedenen MorgenLand-Bio-Projekten weltweit. Vom Anbau bis zum fertigen Produkt sind viele helfende Hände involviert, die alle dasselbe Ziel haben: qualitativ hochwertige Bio-Lebensmittel herzustellen.

Um das zu gewährleisten, suchen wir uns unsere Mitarbeiter und Partner genau aus. Man kann vieles verändern, was nicht gut funktioniert, aber die Haltung der Menschen ändert man nicht so leicht. Deshalb muss die „Chemie“ stimmen.

Das ist es auch, was unsere Partnerschaft seit nunmehr 25 Jahren auszeichnet, oder?
Richtig! Das ist schon eine beträchtliche Zahl. Nicht umsonst gehören wir beide zu den Bio-Pionieren. Und gerade der persönliche Kontakt ermöglicht eine langfristige Zusammenarbeit, die erst eine ständige Qualitätsverbesserung möglich macht. Auf diese Weise arbeiten wir auch seit fast 40 Jahren in der Türkei und seit 35 Jahren in Sri Lanka. Darüber hinaus haben wir MorgenLand-Bio-Projekte in Algerien, Südafrika, Burkina Faso, Mali und vielen anderen Ländern. Der größte Teil  der von uns verarbeiteten Rohstoffe stammt aus diesen Quellen. In den meisten dieser Länder waren wir Vorreiter für die Bio-Landwirtschaft.

Die Produktpalette von MorgenLand rund um Früchte, Nüsse und Kokosprodukte ist reichhaltig. Welches ist Ihr persönliches Lieblingsprodukt und weshalb?
Es gibt kein MorgenLand-Produkt, das ich nicht mag. Aber die sonnengetrocknete Sauerkirsche ist schon etwas ganz Besonderes. Eine unentdeckte Heilfrucht, die sehr viel Kraft besitzt und das spüre ich schon seit vielen Jahren.