Unsere Initiative "Kernkraft? Ja, bitte!"

Was ist überhaupt Ökozüchtung und was steht hinter dem provokativen Titel unserer Initiative „Kernkraft? Ja, bitte! Wir essen, was wir säen.“?

Bereits 94 Prozent des Saatgutes sind weltweit unwiederbringlich verschwunden. Umso wichtiger ist es, die verbliebene Vielfalt durch zukunftsfähige Ökozüchtung zu schützen. Es ist höchste Zeit, zu handeln! Mit unserer Initiative „Kernkraft? Ja, bitte! Wir essen, was wir säen.“ setzen wir uns dafür ein, Saatgut für den Ökolandbau von morgen zu entwickeln und zu erhalten.

Doch was macht die Ökozüchtung so besonders?
In unseren Online-Events besuchen wir Profis aus verschiedensten Bereichen rund um die Ökozüchtung. Wir laden Sie herzlich ein, zusammen mit uns den Praktikern über die Schulter zu schauen! Während der Live-Übertragungen können Sie uns Ihre Fragen schicken, die wir gerne aufgreifen. Die Videos können Sie selbstverständlich auch noch im Nachhinein auf unserer Seite anschauen.


Auf den Spuren der Getreidezüchter: Online-Event auf dem Gut Mönchhof im Juli 2020

Es ist eine Grundlage unserer Ernährung. Fast jeder isst es, doch kaum einer weiß, wo es herkommt: Das Getreide.

Wie entsteht eigentlich eine neue Getreidesorte? Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob eine Sorte für den Markt geeignet ist? Und was ist eine spontane Kreuzung?

Die Getreidezüchter Catherine Cuendet und Herbert Völkle haben uns auf dem Gut Mönchhof in Hessen, einem Standort der Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk), einen Einblick in die biologisch-dynamische Getreidezüchtung gegeben.

Wie der Alltag eines Getreidezüchters aussieht, welchen Problemen sie trotzen und was die ökologische Getreidezüchtung alles mit sich bringt, erfahrt ihr in unserem Online-Event „Auf den Spuren der Getreidezüchter“.

Zuschauerfragen

Die Getreidezüchter Catherine Cuendet und Herbert Völkle haben uns auf dem Gut Mönchhof in Hessen, einem Standort der Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk), einen Einblick in die biologisch-dynamische Getreidezüchtung gegeben. Die im Online-Event von Zuschauerinnen und Zuschauern gestellten Fragen gibt es hier zum Nachlesen.

 

Der gesamte Schlag hat eine Fläche von 15 ha. Von der eigentlichen Züchtungsarbeit – sprich Kreuzung, Selektion und Erhaltungszüchtung – werden 0,75 ha belegt. Wenn man davon ausgeht, dass zum Beispiel bei jeder Art jedes Jahr eine Kreuzung gemacht wird und infolgedessen der gesamte Vorgang von der Kreuzung bis zur fertigen Sorte auf dem Feld steht, so werden dafür nicht mehr als 400 m² benötigt. Darüber hinaus ist es allerdings notwendig, gewisse Stufen an verschiedenen Standorten verschiedensten Bedingungen auszusetzen, daher werden Flächen an möglichst diversen Standorten in Bezug auf beispielsweise Höhenlage, Klima, Bodengüte oder Bewirtschaftungsintensität benötigt.

Jede neue Sorte muss vor der Zulassung einen gesetzlichen Rahmen des Bundessortenamtes durchlaufen. Hierbei wird unter anderem der landeskulturelle Wert beachtet. Dies bedeutet, die neue Sorte muss in der Gesamtheit ihrer Eigenschaften eine Verbesserung für den Pflanzenbau bringen. Sie kann beispielsweise einen höheren Ertrag liefern, oder auch eine bestimmte Widerstandsfähigkeit gegen eine Krankheit entwickelt haben. In der biologisch-dynamischen Züchtung wird zudem auf die harmonische Entwicklung der gesamten Pflanze geachtet.

Man kann generell von anderen Bedingungen im Vergleich zu Landwirten sprechen. In der Züchtung möchte man möglichst viele Extreme vereinen, um eine Sorte voll und ganz zu prüfen und ihre Entwicklung zu verfolgen. Dennoch gibt es auch trockene Jahre, die uns Züchter vor Schwierigkeiten stellen.

Eigentlich Tag und Nacht, von Januar bis Dezember. Die intensivste und schönste Zeit beginnt jedoch ab Mitte Mai. Täglich wird auf dem Feld die Entwicklung der Pflanzen verfolgt. Nach der Ernte werden alle Daten einer Sorte zusammen getragen und für ein weiteres Vorgehen bewertet.

Ein Sortenversuch wie von der Uni Hohenheim soll die Vielfalt des Dinkels widerspiegeln. Da jede Sorte andere Eigenschaften hat, kann sich auch ein anderer Geschmack ausprägen.

Eine spontane Kreuzung entsteht unabhängig von Züchtern, initiiert von der Natur selbst. Wenn zum Beispiel ein Dinkelfeld und ein Weizenfeld nebeneinander liegen, kann es am gemeinsamen Rand der beiden Felder zu einer spontanen Kreuzung der Kulturen kommen. In trockenen Jahren kann dies vermehrt vorkommen, in der Regel jedoch ist eine solche Kreuzung eher selten. Ziel dieser natürlichen Entwicklung ist eine Anreicherung der Vielfalt zum Fortbestehen der Pflanzen.

Ja, es gibt ökologisch gezüchtete Braugerste. Die Getreidezüchtungsforschung Darzau hat eine solche Sorte gezüchtet. Allgemein ist es hierbei schwierig, da mehrere Personengruppen überzeugt werden müssen: Der Landwirt, der die Sorte anbaut, die Erzeugergemeinschaft, die das Getreide gesammelt aufnimmt und der Mälzer, der von der Qualität überzeugt werden muss.

Es kommt natürlich auf die Stadt an. In der Regel gibt es allerdings nicht genügend freie landwirtschaftliche Fläche für den Anbau von Getreide in einer Stadt.

Dinkeleiweiß hat einen anderen Aufbau als das Weizeneiweiß und wird daher häufig von Allergikern besser vertragen.

Es gibt einige Krankheiten beim Dinkel. Häufig spielen der Witterungsverlauf und die Sorte selbst eine Rolle. Krankheiten wie die Spelzenbräune oder Braunrost sind oft durch eine geeignete Sortenwahl einzugrenzen.

Die Backqualität entscheidet sich nicht unbedingt bei der Wahl zwischen ökologisch oder konventionell. Allgemein entscheidet die Sorte über die unterschiedlichen Backqualitäten. Dennoch liegt ein besonderes Augenmerk der Ökozüchtung auf  den qualitativen Eigenschaften einer Sorte.

Catherine Cuendet: Erst machte ich eine landwirtschaftliche Lehre, dann das Studium der Agrarwissenschaften. Während des Studiums habe ich ein Praktikum in der Züchtung gemacht. Dies hat mich mehr und mehr gepackt und begeistert. So bin ich bei der Getreidezüchtung geblieben.

Herbert Völkle: Als Geschäftsführer der gzpk sehe ich meine Aufgabe in erster Linie in der Ermöglichung von biodynamischer Pflanzenzüchtung. Dazu gebracht haben mich auf meinem Berufsweg Erfahrungen in der ökologischen Landwirtschaft und in der Verarbeitung von Biolebensmitteln. Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass der ökologischen Landwirtschaft zur Entfaltung ihres vollen Potenzials gute und geeignete Sorten zur Verfügung stehen. Und dazu, dass wir nachfolgenden Generationen eine bestmögliche Biodiversität hinterlassen.

Die gzpk ist als gemeinnütziger Verein organisiert. Der lange Entwicklungszyklus – 20 Jahre von der ersten Kreuzung bis zu einer etablierten Sorte im Markt – und der Biosaatgutmarkt als Nische machen eine Eigenfinanzierung unmöglich. Wir sind deshalb auf Kooperationen in der Wertschöpfungskette, Spenden und Organisationen angewiesen, die in eine nachhaltige Zukunft investieren wollen und unsere Arbeit ermöglichen.





Auf den Spuren der Apfelzüchter: Online-Event auf dem Biolandhof Adrion im Mai 2020

Seit mehr als 30 Jahren wirtschaftet die Familie Adrion auf ihrem Bioland-zertifizierten Betrieb nach biologischen Richtlinien. Der Hof bietet ein breites Beerensortiment, verschiedenes Steinobst und Gemüse in seinem Hofladen an, die Hauptprodukte sind aber Äpfel und Birnen.

Dabei legen sie Wert auf eine ökologische Apfelzüchtung. Deshalb engagiert sich der Biolandhof Adrion dafür im Rahmen des Projekts apfel:gut e.V.

Wie veredelt man einen Apfelbaum und warum müssen Apfelbäume selbst im Ökolandbau mit Schwefel behandelt werden? In unserem Online-Events erzählen uns Lukas Adrion und Matthias Ristel mehr über Herausforderungen des Apfelanbaus und geben Einblicke in die Arbeit auf dem Hof.

Mehr Infos zum Hof finden Sie unter: https://www.biohof-adrion.de.

Zuschauerfragen

In unserem Online-Event erzählten uns Lukas Adrion und Matthias Ristel von apfel:gut e.V. mehr über Herausforderungen des Apfelanbaus und gaben Einblicke in die Arbeit auf dem Biolandhof Adrion.
Die im Online-Event gestellten Fragen beantwortet Lukas Adrion hier.

Auf dem Biolandhof Adrion wird er nicht bekämpft, da er für eine natürliche Fruchtausdünnung sorgt.

In Jahren mit wenig Blütenknospe und hohem Befallsdruck gibt es Betriebe, die das Mittel „Spruzit® Neu“ (Pyrethrum) vor der Blüte einsetzen.

Allgemein sind Marienkäferlarven, Schwebfliegenlarven und Florfliegenlarven die wichtigsten Läusevertilger.

Der angesprochene Nützling ist die Blutlauszehrwespe, die den Schädling Blutlaus parasitiert.

Hiesige Kerne von Obstarten brauchen eine bestimmte Anzahl an Kältestunden unter 4° Celsius, damit sie bei anschließender Wärme und Feuchtigkeit keimen können.

Saure Äpfel haben tendenziell mehr Vitamin C. Aber ungesunde Äpfel gibt es in diesem Sinne nicht.

Feuerbrand ist eine auftretende Krankheit in manchen Jahren und in bestimmten Regionen, beispielsweise am Bodensee. Eine Unterlage muss viele andere Eigenschaften erfüllen, die G11 sieht in dieser Hinsicht an vielen Standorten sehr gut aus.

Bezüglich des Wasserverbrauches kann es jedoch bei der G11 zu einem Zielkonflikt kommen: In trockenen Jahren schneiden starkwüchsige Unterlagen zwar besser ab, in nassen Jahren wachsen sie aber zu stark.

Wenn alles gut geht, verbindet sich das Kambium von Unterlage und Edelreis in wenigen Wochen.

Unter anderem beim Reiserschnittgarten, beispielsweise dem  Reiserschnittgarten Baden Württemberg, oder in ausgewählten Baumschulen, zum Beispiel der Baumschule Ritthaler in Hütschenhausen.

Man kann einjährige Triebe auch von Bäumen mit gut schmeckenden Früchten selbst schneiden.

Wenn es sich um geschützte Sorten handelt, ja.

Die Neuzüchtung einer Sorte dauert von der Aussaat bis zur fertigen Sorte ca. 20 Jahre.

Der Apfelschorf ist ein Pilz und hat sich mit dem Apfel in Coevolution entwickelt. Die Ascosporen überwintern im Falllaub des letzten Jahres und werden im Frühjahr mit Austrieb der neuen Blätter bei Niederschlag und einer gewissen Temperatur ausgeschleudert, um auf den neuen Blättern zu keimen. Sind die Blätter einmal mit Schorf infiziert, werden dort bei Niederschlag die „Konidien“ ausgeschleudert, um auf dem Apfel zu keimen.

Ja, da sind aber lokale Pomologen-Vereine die richtigen Ansprechpartner. Bei apfel:gut e.V. ist es nicht das Zuchtziel, Sorten für kurze Vegetationsperioden zu entwickeln. Durch den Klimawandel wird die Vegetationsperiode eher länger.

 

Ganze Frage:
Es ist ja mittlerweile bekannt, dass die monogene Vf-Resistenz über zwei verschiedene Schorfrassen durchbrochen wurde. Apfelzüchter versuchen deshalb, noch die VA- und Vr-Resistenzen einzukreuzen. Aber wie sieht es mit polygenen Resistenzen aus, die teilweise in alten Sorten enthalten sind? Ist eine polygene Resistenz in jeglicher Hinsicht einer VA- und Vr-resistenten Sorte vorzuziehen? Und falls ja, wieso wird dann überhaupt noch versucht, monogen einzukreuzen?

Die konventionelle Obstzüchtung hält an dem alten Paradigma fest, monogen-dominante Resistenzgene zu pyramidisieren, da bei diesen die Vererbung (aber auch das Durchbrechen durch den Schorfpilz) sehr simpel ist. Die alten Bezeichnungen wie VA und Vr sind in der Wissenschaftswelt inzwischen abgelöst durch die Bezeichnungen Rvi1-18. Von den bekannten 18 monogen-dominanten Resistenzen ist der Großteil allerdings schon durchbrochen.

Wir finden es viel entscheidender, Anfälligkeiten zu minimieren und diese mit polygenen Resistenzen zu kombinieren. Mit „polygen“ sind Resistenzen gemeint, die sehr breit abgepuffert sind – also in der Regel an mindestens zehn Genorten verankert sind. Das macht die Vererbung komplizierter. Nachkommen, die eine hochanfällige und eine polygen-resistente Sorte haben, sind nur zu einem sehr kleinen Anteil gesund. Daher kreuzen wir schon vergleichsweise gesunde Sorten mit polygen-resistenten Sorten. So können wir „feldresistente“ Typen finden. Mit Feldresistenz sind Äpfel gemeint, die wie ein Seestermüher Zitronenapfel oder ein Discovery auch bei großflächigerem Anbau seit über 50 Jahren keinen nennenswerten Schorfbefall zeigen.