Zu Gast beim Verband für ökologischen Landbau e. V.


In der Welt der ökologisch produzierten Produkte gibt es eine Menge Zertifikate, die unterschiedliche Ursprünge und Regeln haben. Eingefleischte Verband-Fans sprechen gar von „gutem und schlechtem Bio“. Verwirrung ist da vorprogrammiert. Deshalb haben wir uns Naturland-Präsident Hubert Heigl geschnappt und ihn über die Unterschiede zwischen den Zertifikaten und über die Richtlinien seines Verbands ausgefragt.

Vielen Menschen, die sich noch nicht eingehend mit Bio-Zertifizierungen und den Zertifikaten der Bio-Verbände befasst haben, sind die Unterschiede gar nicht bewusst. Kurz und knapp: Was unterscheidet eine Naturland-Zertifizierung vom EU-Bio-Siegel? EU-Bio ist der Standard, den alle Öko-Betriebe erfüllen müssen, doch für Naturland-Erzeuger gelten viel höhere Maßstäbe. Bei Naturland muss der gesamte Betrieb auf Öko umgestellt werden. Es gibt strengere Grenzen, was die Anzahl der gehaltenen Tiere angeht und woher das Futter kommt. Außerdem ist bei Naturland die Einhaltung von Sozialrichtlinien für alle Betriebe verbindlich. Als einziger Öko-Verband bietet Naturland auch eine Fair-Zertifizierung an.

Die Naturland-Richtlinien sind bezüglich der Tierhaltung wesentlich strenger als die der EU-Bio-Verordnung. Weshalb  halten Sie das für notwendig? Das Thema Tierwohl nimmt in unserer Gesellschaft zu Recht einen immer höheren Stellenwert ein. Wenn Verbraucher bereit sind, für mehr Tierwohl höhere Preise zu zahlen, dann müssen sie sich aber auch darauf verlassen können, dass Tierwohl nicht nur auf dem Etikett steht. In Naturland-Betrieben finden daher regelmäßig Tierwohl-Kontrollen statt, die anhand einer eigens entwickelten Checkliste durchgeführt werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass diese Qualitätskontrollen ein Hauptgrund dafür sind, dass Verbraucher so ein hohes Vertrauen in Naturland-Produkte haben.

Der Naturland-Verband beschränkt sich nicht nur auf seine Zertifizierung. Sie betreiben zusätzlich Öffentlichkeitsarbeit und engagieren sich für die ökologische Landwirtschaft. In welcher Form tun Sie das? Mehr Umwelt-, Klima- und Tierschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Deshalb ist es wichtig, dass Verbraucher verstehen, warum Öko-Lebensmittel scheinbar teurer sind als konventionelle – sie sprechen den wahren Preis. Daher sehen wir es als unsere Aufgabe an, Verbraucher darüber aufzuklären, welchen Mehrwert Naturland- Produkte haben. Dies geschieht z. B. über die Verbreitung von Broschüren und die Beteiligung an Info-Veranstaltungen und Messen. Auch Naturland-Betriebe öffnen regelmäßig ihre Türen für die Öffentlichkeit und zeigen, wie ökologisch gearbeitet wird. Diese Transparenz kommt bei den Besuchern immer sehr gut an. Auf politischer Ebene ist der Verband natürlich auch aktiv, um die Förderung des Öko-Landbaus im Bund und in den Ländern voranzubringen. Lesen Sie mehr über Naturland e.V. auf unserer Internetseite www.denns-biomarkt.de.