mit Susanne Horn, Geschäftsführerin der Neumarkter Lammsbräu

Wir hätten uns mit Susanne Horn auch auf einem Acker treffen können. Denn dort beginnt für die größte Bio-Brauerei Deutschlands das Reinheitsgebot. Doch die Geschäftsführerin der Neumarkter Lammsbräu lotst uns zur hauseigenen Mälzerei, bevor wir ein naturtrübes Zwickl-Bier genießen dürfen.

Was ist das Besondere an Ihrer Mälzerei?
Susanne Horn: Erst einmal die Tatsache, dass es sie überhaupt gibt! Die meisten Brauereien kaufen Malz aus Fabriken zu und stellen es nicht mehr selbst her. Für uns als Bio-Brauerei ist es dagegen enorm wichtig, den gesamten Produktionsprozess in der Hand zu haben. Deshalb leisten wir uns den „Luxus“ einer eigenen Mälzerei. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir mit eigenem Malz viel mehr Spielraum beim Geschmack haben.

Sie haben das Wasser zu Ihrem Thema gemacht. Wie kam es dazu?
Susanne Horn: Unsere Brauerei war in den 1970er Jahren ein Bio-Pionier. Damals konnte sich niemand vorstellen, was ein Bio-Bier sein soll. Es gab ja das Reinheitsgebot. Heute ist bekannt, dass es große Qualitätsunterschiede gibt, und zudem ist die Frage wichtiger geworden, woher unsere Lebensmittel kommen. Wir glauben, dass es mit dem Wasser eine ähnliche Entwicklung geben wird. Im ersten Moment werden alle stutzig, wenn sie „Bio-Wasser“ hören. Wenn wir dann erklären, weshalb wir hier Unterschiede machen, ist das ein echter Aha-Effekt.

Können Sie uns die Unterschiede kurz erklären?
Susanne Horn: Für Bio-Wasser gelten deutlich strengere Grenzwerte als gesetzlich vorgegeben. Das geht weit über die Mineral- und Tafelwasserverordnung hinaus. Denn faktisch enthalten viele herkömmliche Mineralwasser zum Beispiel Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln und von Antibiotika. Zu einem Bio-Wasser gehören aber auch ein schonender Umgang mit der Quelle, eine umweltfreundliche Abfüllung und ein nachhaltiger Vertrieb. Zudem müssen hohe soziale Standards eingehalten werden. Das alles über Wasser zu wissen, verändert etwas in den Köpfen der Konsumenten. Diesen Wandel müssen wir unterstützen. Das klappt natürlich am besten, wenn man gute Partner hat. Ob das nun unsere Landwirte sind, unsere Kunden oder unser Großhändler dennree ‒ wir pflegen zu allen gute Kontakte und versuchen immer, sie bei neuen Entwicklungen mitzunehmen. Außerdem greifen wir gern Anregungen auf und versuchen, sie umzusetzen, wenn sie für uns Sinn machen.

Während der Ernte herrscht auf dem Brauerei-Gelände vermutlich jede Menge Trubel?
Susanne Horn: Ja, wenn unsere Bio-Bauern ihr Getreide anliefern, ist das jedesmal ein Ereignis. Wir fiebern mit unseren Lieferanten das ganze Jahr über mit, ob es zur rechten Zeit regnet oder warm ist. Und dann freuen wir uns umso mehr, wenn es eine gute Ernte gibt. Bei der Qualität unserer Rohstoffe setzen wir sehr hohe Maßstäbe an. Unsere Landwirte leisten tolle Arbeit. Wenn wir sie im Gegenzug unterstützen können, tun wir das gern.

Wie muss man sich diese Hilfe vorstellen? Gehen Sie direkt mit aufs Feld?
Susanne Horn: Tatsächlich stehe ich häufig auch selbst auf dem Acker. Natürlich ist es aber so, dass wir unsere Bio-Bauern vor allem durch faire Konditionen unterstützen. Außerdem fördern wir ihr Engagement für den Artenschutz, sind prominentes Sprachrohr für den ökologischen Landbau und unterstützen die Projekte unserer Erzeugergemeinschaft. Wenn wir dann ein gutes Jahr miteinander hatten, feiern wir das gemeinsam mit unserem traditionellen Erntedankfest, zu dem regelmäßig mehrere Tausend Besucher nach Neumarkt kommen.