Milch für besondere Ansprüche

Laktose-Intoleranz ist eine Unverträglichkeit, die in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat. Molkereichef Christoph Züger bietet mit seinem Bio Minus L-Sortiment eine Lösung für das Problem.

Herr Züger, wie schmeckt eigentlich laktosefreie Milch?
Sämtliche Bio MinusL Produkte werden aus echter Bio-Kuhmilch hergestellt, in der die Laktose auf schonende Weise „ausgeschaltet“ wurde. Sie verfügt über alle natürlichen und wertvollen Inhaltsstoffe wie Mineralstoffe (Calcium), Eiweiß und Fett. Laktosefreie Produkte schmecken ausgezeichnet – einfach ein wenig süßer als laktosehaltige Milch.

Sind diese Produkte nur für Allergiker geeignet?
Laktosefreie Produkte verfügen über die gleichen Inhaltsstoffe wie „normale“ Milchprodukte. Einzig der Milchzucker wurde in die verdaubaren Einfachzucker Glukose und Galaktose gespalten. So können die Produkte problemlos auch von Nicht-Allergikern genossen werden.

Welches Angebot gibt es inzwischen für die Zielgruppe?
Laktosefreie Produkte sind momentan noch ein Nischenmarkt. Wir waren eine der ersten Molkereien, die laktosefreien Mozzarella herstellen konnte. Mit der steigenden Nachfrage wächst nun auch unser Produktangebot. Heute umfasst das Sortiment mit Mozzarella, Mascarpone, Quark, Frischkäse, Vollmilch, Schlagsahne und Schokomilch bereits sieben verschiedene Produkte. Weitere Produkte werden folgen.

Frische Innovationskraft
Für die Schweizer Molkerei Züger ist Frische ein wesentlicher Teil des Markenkerns – schließlich produziert das Unternehmen Frischkäse. Inhaber Christoph Züger bevorzugt dabei allerdings das Besondere – Standard langweilt ihn. So gehört Züger zu den ersten Molkereien, die laktosefreien Mozzarella herstellen konnten.

Seit 150 Jahren steht der Name Züger für Käse. Gemeinsam mit seinem Bruder Markus führt Christoph Züger das Familienunternehmen mittlerweile in der fünften Generation. Vor 25 Jahren beschlossen die beiden Brüder, statt Emmentaler lieber Mozzarella herzustellen: Aus der kleinen Emmentaler-Hofkäserei wurde ein großer Molkereibetrieb. Rund 50 Millionen Euro hat das Duo seitdem in das Unternehmen investiert, das im vergangenen Jahr für seine hohe Innovationskraft zum Entrepreneur 2010 ausgezeichnet wurde.

Neben der „normalen“ Frischkäse-Range produziert das Unternehmen zudem ein laktosefreies Spezialsortiment. Um aus normaler Milch laktosefreie herzustellen, mischt man frischer Milch das Enzym bei, das einigen Menschen zum Abbau fehlt. Nach einem Tag erfolgt dann im Milchtank die gewünschte enzymatische Reaktion: der Abbau von Laktose zu den Einfachzuckern Glukose und Galaktose. Die Milch schmeckt dadurch etwas süßer und verliert ein bisschen an weißer Farbe, kann aber ohne Nachteile auch von Menschen ohne Laktose-Intoleranz getrunken werden. Neben den Verbrauchern, die von Geburt den Milchzucker nicht vertragen, ist die so behandelte Milch auch für Senioren besser bekömmlich. „Mit zunehmendem Alter sinkt die Laktoseverträglichkeit. Je schneller der Mensch aufhört Molkereiprodukte zu verzehren, umso schneller verliert der Körper die Fähigkeit das notwendige Enzym zu bilden“, erläutert der Milchexperte. Der Bio-Fachhandel ist für den innovationsfreudigen Schweizer die ideale Einkaufsstätte für besondere Ansprüche an Lebensmittel. „Der Fachhandel kann sich im laktosefreien Segment durch seine Beratungsleistung enorm profilieren“, ist Züger sicher und verweist auf die hohen Zuwachsraten für laktosefreie Produkte in den konventionellen Handelsschienen.

In das Bio-Segment sind die Schweizer bereits im Jahr 1993 mit Mozzarella eingestiegen. Zwei Jahre später wurde das Bio-Sortiment zunächst um streichfähigen Frischkäse und später um Mascarpone und Ricotta weiter ausgebaut. „Wir sehen uns auch im Bio-Segment als Trendsetter“, konstatiert Christoph Züger. Der Trendscout aus Leidenschaft ist zugleich für die praktische Umsetzung seiner Ideen in der Produktion verantwortlich. Von den insgesamt 90 Millionen Kilogramm Milch verarbeiten das Unternehmen mittlerweile 15 Millionen Kilogramm Bio-Milch, die im Umkreis von 20 Kilometern erfasst wird. Die Milchspezialisten möchten ihren Bio-Anteil gerne auf 30 Prozent ausbauen und bieten daher umstellungswilligen Betrieben eine Prämie an. „Wir glauben, dass Bio längerfristig der bessere Weg für eine nachhaltige Produktion ist“, erklärt Züger. „Bei uns steht Nachhaltigkeit als Oberbegriff über allen Bio-Produkten. Wir versuchen daher möglichst ressourcen- und energieeffizient zu produzieren.“ So werden aktuell noch einmal 10 Millionen Euro in ein neues Hochregallager sowie in eine Holzschnitzelheizung investiert, um die biologischen Milchspezialitäten nun auch klimaneutral zu produzieren.